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Berichte

Am Sonntag, 21. Juni 2015, durfte ich als Gast auf der Wanderung über den Biet mit dabei sein. Trotz des etwas unsicheren Wetterberichtes radelten wir am frühen Morgen zum Bahnhof Winterthur – Busse fahren am Sonntag um fünf Uhr noch keine! Bereits im Zug nach Zürich entdeckten wir die ersten Regentropfen an den Fensterscheiben und als wir schliesslich in Studen aus dem Postauto stiegen, mussten wir gleich die Regenjacken montieren. Auf bessere Zeiten zu warten hätte nichts gebracht, denn in dem kleinen Dorf hatte noch keine Beiz offen. So wagten wir denn den Aufstieg. In den sumpfigen Wiesen wuchsen unzählige tiefrote Knabenkraut-Orchideen und der Wald erinnerte etwas an tropischen Regenwald, er war üppig grün und extrem feucht. Zum Glück hatte ich meine Bergschuhe nicht geputzt, denn spätestens bei der Znünipause auf der Alp Schrot hatten alle Schuhe die gleiche Farbe - dreckbraun! Der Regen machte immer mal wieder eine kleine Pause, so dass wir voller Hoffnung auf Aussicht den Weg in Richtung Gipfel einschlugen. Die Buchfinken zwitscherten ihr fröhliches „Schwig, schwig, oder ich rüer der en Stei a!“ von den Tannenwipfeln herunter und am Wegrand entdeckten wir neben Knabenkraut auch den blassgelben Wolfs-Eisenhut und später Enzian, Trollblumen, Silberdisteln und andere Alpenblumen. Das frühe Aufstehen und die Mühe des Aufstiegs hatten sich doch schon deswegen gelohnt! Aller Hoffnung zum Trotz verschlechterte sich das Wetter wieder, je höher wir stiegen. An ein trockenes Mittagessen mit Aussicht war nicht mehr zu denken. Ausserdem war es kalt, Kappen und Handschuhe waren keineswegs vergebens eingepackt worden! So beschloss die Gruppe auf dem Pass der hinteren Wannenhöchi ziemlich einstimmig, den noch 120m höher gelegenen Gipfel links liegen zu lassen und direkt die warme Stube der Druesberghütte anzusteuern. Dort wurden wir denn auch nicht enttäuscht: heisser Tee, Gerstensuppe, nach Wunsch mit Wurst, sowie Kaffee und Kuchen wärmten die durchfrorenen Nasen und Finger wieder auf. Nach einer ausgiebigen Rast wanderten wir auf dem Strässchen zurück ins Tal, wo uns das Postauto abholte. Die Direttissima über den Leiternweg wäre bei dieser Nässe zu gefährlich gewesen. Trotz des Regens und des verpassten Gipfels herrschte auf dem Heimweg im Zug eine zufriedene Stimmung. Danke, Marlies, für die tolle Tour!

Katrin Junker

2019  Naturfreunde Winterthur