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Berichte

10 interessierte Mitglieder trafen sich an diesem Freitagabend beim Werkhof-Eingang der
Stadtwerke Winterthur. Herr Schiess, ein pensionierter Ingenieur des Stadtwerkes Winterthur
und Ersteller dieses Museums begrüsste uns beim Tor und führte uns in den Untergrund des
Werkhofgebäudes. In einer 1 1/2 stündigen Führung erzählte er uns die Geschichte der Stadt-
werke ab 1820 bis in die heutige Zeit. Schritthaltend mit der Zunahme der Bevölkerung ent-
stand auch der Anspruch auf immer neue Energie und gleichzeitig das Angebot von immer
besseren Geräten zur Nutzung von Gas, Wasser und Strom.

1820 bedienten 8 Brunnen die 4'500 Einwohner zählende Altstadt mit Trinkwasser das durch
Teuchel ab den umliegenden Hügeln transportiert wurde. Bereits 1844 diskutierte man über
eine Gasbeleuchtung und 1860 wurde das erste Gaswerk in Betrieb genommen.
2200 Gaslaternen erhellten ab da die Stadt. In der Zwischenzeit entstanden viele Firmen wie
Sulzer (1834), Stahel und Jäggi (1849), Gebrüder Volkart (1851), Rieter (1854) und 1855 die
Bahnlinien nach Zürich, Wil und Schaffhausen. All dies liess die Bevölkerung sprunghaft an-
steigen (1870 = 9'500 Einwohner) und der Bedarf an Energie wurde immer grösser.
1895 waren bereits 20'000 Kochbrenner in Betrieb. Für die 22'000 Einwohner zählende Stadt
nahm 1904 das Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf und trotz vielen Stromunterbrüchen war
dieser Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Die Gaslampen verschwanden langsam wieder.
1912 wurde das vor 15 Jahren begonnene Abwasser-Kanalnetz stark ausgebaut. 1922 wurden
5 Vororte eingemeindet, so dass die Bewohnerzahl auf 49'000 stieg. 1938 fuhr der erste
Trollybus der Schweiz in Winterthur, 1951 wurde der Trambetrieb nach 53 Jahren eingestellt.
Nach 20-jähriger Planung wurde 1949 der erste Teil der Abwasser-Kläranlage in Betrieb
genommen.

1960 zählte die Stadt 87'000 Einwohner, 5 Jahre später konnte der Betrieb der Kehrichtver-
brennungsanlage aufgenommen werden und 1969 wurde mit der Produktion von Stadtgas
aufgehört. Die nötige Lieferung erfolgte nun von der Erdgas Ostschweiz AG. Noch einige
interessante Zahlen der Stadt Winterthur: 1956 Eröffnung Kunsteisbahn Zelgli, 1966 Baube-
ginn der N 1 um Winterthur, 1966 Einweihung Sulzerhochhaus, 1974 Sulzer beschäftigt
15'000 Mitarbeiter. 1990 der Dieselmotorenbau in Winterthur wird eingestellt, 1993 Sulzer
Giesserei wird geschlossen und aus Haldengut wird Heineken, 1997 Winterthur-Versicherung
geht an Credit Suisse, 1998 SLM wird an Adtranz verkauft, 2001 Sulzer verkauft das Textil-
geschäft und 2003 geht das Erb-Imperium Konkurs. 1993 entsteht die erste Fotovoltaikanlage
am Betriebsgebäude der Stadtwerke Winterthur im Schöntal.

Das alles war im interessanten, abwechslungsreichen Vortrag von Herr Schiess zu hören oder
den INFO-Tafeln zu entnehmen. Zwischendurch erzählte uns der Referent in spassiger Weise
von den vielen Ausstellungsgegenständen die in über 180 Jahren zusammengetragen wurden.
Von der Holz-Wasserleitung (Teuchel), einem schönen Kachelofen, dem Kupferkessi den
ersten Gaskochherden bis zu den Küchen- und Haushaltmaschinen ist alles zu entdecken und
es werden so manche Erinnerung aus Grossmutters-Zeiten wach. Es fehlen auch nicht die
alten Bügeleisen, Radios und Plattenspieler sowie die diversen Hilfsmittel für den Bürobereich.
Natürlich fehlen auch die alten Armaturen, Ableseeinrichtungen, Werkzeuge und Messgeräte
nicht, die im täglichen Einsatz der Mitarbeiter von EWW, Wasser und Gas zur Verfügung stan-
den. In witziger Weise erzählte unser Gastgeber viel Wissenswertes und mit Stolz auch von
seiner einzigartigen Büchersammlung im Museum. Nebst Montageanleitungen und handge-
schriebenen, fein säuberlich aufgeführten Abrechnungen der verschieden Werke sind auch die
Einklebebücher (Zeitungsberichte und lesenswertes über die Stadt Winterthur) anzusehen.

Kurz vor Ende kamen wir noch beim neuesten Sammelgut an. Kaum zu glauben, was für
Material aus der Computerwelt schon museumsreif ist.

Damit war die hervorragende Führung durch Herrn Schiess zu Ende. Zu allem hatte er uns
etwas zu erzählen und es war immer spannend die Geschichten zum Gesehenen zu hören.
Ein dickes Dankeschön an unseren Gastgeber.

Zum Schlummertrunk kehrten wir anschliessend noch im Restaurant Löwengarten ein.

Röbi Demuth

2019  Naturfreunde Winterthur