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Berichte

Grosse Naturfreunde Baltikum-Reise der Region, Kurzbericht

Laulupidu 2019 - das grosse Sängerfest in Tallinn ist Ziel und Höhepunkt zugleich. Das 27. Sängerfest feiert das 150-jährige Bestehen.

Der Titel des Sänger- und Tanzfestes, das diesen Sommer stattfindet ist, „Mein Vaterland ist meine Liebe", ein Vers aus einem Lied mit demselben Namen, das eine Art Hymne des Sängerfestes geworden ist; der Text wurde von Lydia Koidula geschrieben und zur Zeit des ersten Sängerfestes veröffentlicht. Das Leitprinzip des Sängerfestes vermittelt wichtige Werte - die Bewahrung der Kultur und der Traditionen und die Liebe der Esten zu ihrem Vaterland ist sogar Teil ihrer Unabhängigkeit.

Mit Lufthansa fliegen wir über Frankfurt nach Tallinn, hier werden wir von der lokalen Reiseleiterin Küllike erwartet, sie wird uns in Tallinn begleiten.

Am Freitag, 5. Juli steht nach einer Stadtführung mit Küllike Selling und etwas Freizeit gegen Abend das grosse Tanzfest auf dem Programm, 6‘000 Tänzerinnen und Tänzer in Trachten präsentieren uns eine perfekte Show. Verschiedene Tanzgruppen von Jung bis Alt zeigen ihr Können mit grossen Präzision und Freude. Auch die wenigen Regentropfen am Schluss können die grosse Begeisterung nicht trüben.

Am Samstag, 6. Juli fahren wir übers  Nonnenkloster der Heiligen Brigitta zum Kadriorg, dem ehemaligen Katharinental, eine Parklandschaft mit Barockschloss. In diesem Palais im Park hat der estnische Präsident seinen Amtssitz. Es folgt Besuch des estnischen Kunstmuseums mit Demonstration von Bildrestaurationen. Durch den Rosengarten gelangen wir zur Umzugsroute wo bereits die ersten Gruppen vorbeigezogen sind. Nun stehen und schauen wir den farbenprächtigen und fröhlichen Umzug, wobei wir langsam in Richtung Stadt schlendern. Die Fröhlichkeit der gut 40‘000 Teilnehmenden entspricht überhaupt nicht dem estnischen Volks-typ  der eher verschlossen ist. Auch  ausländische Gastgruppen, meist ausgewanderte Esten, sind in den Reigen eingebunden. Nach fünf Stunden haben die meisten genug gesehen und kehren ins Hotel zurück. Den Tag lassen wir in einem Altstadtrestaurant beim Abendessen ausklingen.

 

Für Sonntag, 7. Juli steht der Höhepunkt, das grosse Sängerfest mit 33‘000 Sängern auf dem Programm. Nach etwas Freizeit und einem individuellen Mittagessen fahren wir hinaus zur Sängerwiese. Aber dies machen nicht nur wir sondern tausende andere auch, Stau und nochmals Stau. Knapp reicht es zum Konzertbeginn in die grosse Arena. Verschiedene Kinder- und Jugendchöre eröffnen den Konzertreigen. Auf der Bühne stehen ausgewählte Chöre, die Chor- und Orchestermusik auf höchstem künstlerischem Niveau präsentieren, ein Programm mit Musik von estnischen Komponisten unterschiedlicher Schulen. Das geplante etwa vierstündige Konzert gibt einen Überblick über die Geschichte der estnischen Musik, es vermittelt also Einblicke in die 150 Jahre der estnischen Musikgeschichte und endet mit den Liedern, die gemeinsam von sowohl dem Publikum als auch den Chören gesungen werden. Aber der Plan ist das Eine und das Geschehen das Andere, praktisch jedes Lied und jede Gruppe muss eine Zugabe liefern. Den Erwachsenenchören blüht dasselbe Schicksal, so dass die ersten von uns nach 4 Std. und der Rest nach 5 Std. den Heimweg ansteuern und das Konzertende um ca. 21 Uhr im Fernsehen geniessen. Eindrücklich, als Einzelner unter über 100‘000 Zuhörern! Damit haben wir den Höhepunkt unserer Reise vorweggenommen.

Montag, 8. Juli, nun beginnt unsere Baltikum-Rundreise mit Kathrin. Wir fahren rund 70 km Richtung Osten zum Lahemaa-Nationalpark (estnisch Lahemaa rahvuspark). Er erstreckt sich auf einer Fläche von 72.500 Hektar (einschliesslich 25.090 Hektar auf dem Meer). Der Park wurde 1971 als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet, um die nordestnische Landschaft als „estnisches Erbe“ zu erhalten. Eine Wanderung auf einem Prügel- und Bretterweg mit den vielen Seen fasziniert uns. Auch die Ostsee mit Halbinsel Käsmu und gleichnamigem Dorf sowie steinernen Meer ist sehenswert. Palmse ist ein ehemals deutsch-baltisches Landgut das wir nach dem Mittagessen besuchen. Sein Besitzer war Initiant der Eisenbahn nach Tallinn. Übernachtung ist im Gutshof Sagadi angesagt.

Dienstag, 9. Juli, ein kurzer Besuch im Gutshof-Hotel VIHULA Manor mit Oldtimern und alter Mühle, dann fahren wir ostwärts bis Jöhvi. In südlicher Richtung erreichen wir das russisch-orthodoxe Nonnenkloster Kuremäe mit der heiligen Quelle. Am Peipus-See, der eher an ein Meer erinnert und 7 x grösser als der Bodensee ist, machen wir einen Halt bevor wir die „Zwiebeldörfer“ der orthodoxen Altgläubigen erreichen. Diese fanden hier vor Jahrhunderten als Religionsflüchtlinge aus Russland Zuflucht. Eine kleine Überraschung hält nun Katrin für uns bereit, eine Kaffeerunde in ihrem Elternhaus. Bereits werden wir von Katrins Schwester und ihrer Mutter erwartet und herzlich mit Kaffee und Kuchen willkommen geheissen. Nun ist es nicht mehr weit nach Tartu, Universitätsstadt & Etappenort.

Mittwoch, 10. Juli, beginnt mit einem Stadtrundgang zum Dom von Tartu, bzw. dessen Ruine. Die Johanniskirche bei der UNI beherbergt einen Schatz, Terrakottaskulpturen. Von den ursprünglich ca. 2000 Skulpturen sind heute noch gut die Hälfte erhalten geblieben. Das schiefe Haus oder der Brunnen mit den küssenden Studenten sind nur einige der besuchten Orte. Weiterreise ins Setumaa, das Land der Setu, einer den Esten verwandten, orthodox ethnischen Minderheit. Sie pflegen noch heute einzigartige Traditionen und tragen an Feiertagen prachtvolle Trachten. Ein kleines Extrakonzert wird für uns geboten. Anschliessend besuchen wir den Suur Munamägi (Eierberg) 318 m, höchster Punkt im Baltikum. Bald verlassen wir nun Estland und fahren nach Cesis/Wenden in Lettland.

Donnerstag, 11. Juli, ist Wandertag, zuerst aber noch ein Stadtrundgang durch Cesis, diese war Mitglied der alten Hanse. Heute direkt am Gauja-Nationalpark gelegen, den wir anschliessend dem Fluss entlang durchwandern, ist auch als Livländische Schweiz bekannt. Später besichtigen wir das Sigulda Schloss und die bischöfliche Burganlage Turaida mit ihrem Skulpturengarten. Tagesziel ist Riga, Hauptstadt Lettlands.

Freitag, 12. Juli, den heutigen Tag widmen wir der Stadt Riga mit den bekannten Jugendstiel-Gebäuden. Die Führung schliesst mit dem Besuch des Schwarzhäupter-Hauses und einem Orgelkonzert im Dom. Am Nachmittag Fahrt zum nahen Seebad Jürmala mit seinen Jugendstilvillen in Holzbauweise, das sich am flachen Strand an der Ostsee erstreckt. Es war bis 1914 bevorzugter Sitz der russischen Aristokratie und der deutsch-baltischen Intelligenz. Hier geniessen wir das Abendessen.

Samstag, 13. Juli, bereits beginnt die 2t. Hälfte unserer Reise. Heutiger Höhepunkt ist Schloss Rundale (dt. Ruhenthal) dies befindet sich im Süden Lettlands, auf der fruchtbaren Ebene von Zemgale. Im östlichen Schlossflügel sind für die Besucher repräsentative Räumlichkeiten – der Goldene Saal, der Weisse Saal und die Grosse Galerie untergebracht. Im zentralen Teil befinden sich die Appartements des Herzogs – Gesellschafts- und Privaträume, aber im westlichen Flügel – die vollständig restaurierten Appartements der Herzogin. Ein Rundgang im Rosengarten beendet unseren Besuch. Die Weiterfahrt führt zum Berg der Kreuze in Litauen. Dieser Berg ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort unweit von Siauliai an der Strasse von Riga gelegen und wurde in Erinnerung an Deportierte errichtet. Die Pilger pflegen Kreuze auf den Hügel zu stellen, verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Heutiges Reiseziel ist die Hafenstadt Klaipėda am Haff gelegen.

Sonntag, 14. Juli beginnt mit einem Stadtrundgang samt Liedervortrag von Ännchen von Tharau, danach folgt Überfahrt auf die Kurische Nehrung. Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands. Sie beginnt in Lesnoi und endet am Memeler Tief. Seit 1945 gehören die nördlichen 52 km zu Litauen und die südlichen 46 km zur russischen Oblast Kaliningrad. Erstes Ziel ist der Hexenberg wo über 70 Künstler hölzerne Illustrationen von litauischen Märchen und Sagen anlässlich eines Künstlerfestivals hinterlassen haben. Der 2. Stopp ist bei den wandernden Dünen die es zu besteigen gilt. Bei den ersten Infotafeln

 beginnt die „Wüste“, anfänglich auf einem bequemen Prügelweg steigen wir hinauf um später im Sand den höchsten Punkt zu erklimmen. Hier können wir die Ostsee sowie das Haff überblicken. Der nächste Stopp ist im Fischerdorf Pervalka in dem nur 40 „ständige Einwohner“ leben. Dieses entstand im 19. Jahrhundert durch den Zuzug von Bewohnern anderer Nehrungsdörfer (vor allem aus Nagliai) die vor den Wanderdünen flüchten mussten und sich deshalb hier ansiedelten. Zum Schluss besuchen wir noch die Ostseeküste um nach Bernstein zu suchen, Käfer, Strohblumen, Rainfarn und einiges mehr finden wir, aber Bernstein lässt sich nicht finden. In der Pension Prie Mariu in Nida, dem Hauptort der Kurortgemeinde Neringa werden wir für 2 Nächte erwartet.

Montag, 15. Juli, bedroht durch „fliessende“ Wanderdünen, musste Nida mehrfach umgelagert werden. Bis 1919 gehörte es als Nidden zum Deutschen Reich. Anfang des 20. Jh. zog es viele Künstler nach Nidden, z.B. die Maler Lovis Corinth und Max Pechstein. Es entstand die Künstlerkolonie Nidden. Thomas Manns Familie besass hier ein Sommerhaus (heute Museum). Nach der Ortsbesichtigung fahren wir zur grossen Düne von wo wir auf die russische Seite blicken können. Es folgt Abstieg nach Nida und eine Schifffahrt auf dem Haff.

Dienstag, 16. Juli, wir verlassen die Kurische Nehrung und fahren nach Kaunas. Eine Führung macht uns mit der Stadt und ihrer Geschichte bekannt. Kaunas ist eine Stadt, die sich nicht damit zufrieden gibt, die zweite Stadt Litauens zu sein, und die nicht vergisst, dass sie zwischen den beiden Weltkriegen die provisorische Hauptstadt des Staats Litauen war. Im 13. Jh. nur eine Burg in strategisch wichtiger Lage, wurde Kaunas nach der Abwehr der deutschen Ordensritter zu einem stark befestigten Handelszentrum, davon zeugt u. A. am Rathausplatz das "Weisse Schwan" genannte ehemalige Kaunaser Rathaus, das heute als Keramikmuseum und Standesamt dient. Kaunas, eine Universitätsstadt mit viel Kultur!

Mittwoch, 17. Juli, die Weiterfahrt nach Vilnius ist nicht so früh angesetzt, und führt uns vorerst nach Trakai mit der bekannten Wasserburg. In einer Wald- und Seenlandschaft dreissig Kilometer westlich von Vilnius liegt sie, die spätmittelalterliche Wasserburg, sie zählt heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Litauen und wird als Museum genutzt. Im Innenhof der grossen Schlossanlage werden wir von einem Führer in Empfang genommen, beim Rundgang erfahren wir viel über die Geschichte. Etwas besonders sind die Karäer, knapp 50.000 Angehörige hat die Religionsgemeinschaft weltweit. Ende des 14. Jahrhunderts holte Vytautas einige hundert Familien aus der Glaubensgemeinschaft der Karäer nach Trakai. In Litauen ist diese jüdisch-tatarische Minderheit weitgehend in der Mehrheitsgesellschaft aufgegangen. Eines der wichtigen Bindeglieder für den Zusammenhalt der Karäer ist heute die Sprache. Karaimisch, sie ist eine Turksprache mit späteren Entlehnungen aus dem Litauischen, Polnischen und Russischen. Karäische Sprache, Kultur und Religion scheinen keine Zukunft mehr zu haben. Bei der Weiterfahrt sehen wir noch deren kleines Gotteshaus. Der Verkehr in der Hauptstadt ist wie bei uns, nur verstopfte Strassen, aber unsere Fahrerin meistert dies mit Bravur.

Donnerstag, 18. Juli, unsere Fahrerin fährt uns in einer kurzen letzten Runde durch Vilnius um danach zurück zu fahren.  Dabei sehen wir das Parlament, die Neustadt, die Kirche St. Peter und Paul die bekannteste Barockkirche wurde in den Jahren 1668 – 1676 erbaut. Der Innenraum wurde bis zum Jahre 1704 u. A. von Tessiner Meistern mit 2000 Stuckplastiken geschmückt. Er ist viel prunkvoller als das Äussere. Am Nachmittag gibt’s eine Stadtführung, dabei erfahren wir dass die Stadt ca. 100 Kirchen hat, in einer wurde am 11. März 1990 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Das autonome Užupis ist mit ca. 0,6 km² ein kleiner und abgeschlossener Stadtteil. Den Abschluss machte die Universität mit den besonderen Kunstwerken. Das Abschieds-Abendessen nehmen wir im einstigen jüdischen Viertel ein, dabei bedanken wir uns herzlich bei unserer Reiseleiterin Kathrin für ihre kompetente, liebevolle Begleitung.

Freitag 19. Juli, nach 1550 km mit dem Bus ist unsere grosse Reise durchs Baltikum zu Ende. Der Rückflug erfolgt mit Austrian Airlines über Wien nach Zürich Ein herzliches Dankeschön allen Teilnehmenden fürs Mitkommen und die gute Kameradschaft!

 Fritz Renold, Säntisstr. 3, 8472 Seuzach, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

2019  Naturfreunde Winterthur