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Berichte

Am Bahnhof „Bôle“ erwartet uns Kurt und verstaut unser Gepäck in seinem Auto. Bequem mit dem Tagesrucksack am Rücken bringt uns ein kurzer Abstieg zum Einstieg in die „gorges de l‘Areuse“. Kurze Aufstiege, Treppenstufen aber auch gerade Stücke führen durch die imposante Schlucht mit vielfältigen Felsformationen. Oft bleiben wir stehen um die Wunder der Natur zu bestaunen. In „Champ du Moulin“ legen wir eine Pause ein. Alle Tische sind besetzt, der heiss ersehnte Kaffee wird am Buffet geholt. Schmissige Akkordeonmusik untermalt den Sonntag. Wir wandern weiter zur Bahnstation „Noiraigue“ und fahren an unseren Bestimmungsort „Travers“. Wir gastieren in der „Villa Moncalme“ bei Familie Beuret. Sie bieten Zimmer mit Frühstück an.

Die erste Nacht im fremden Bett ist meist nicht sehr erholsam. Ein liebevoll zubereitetes Frühstück erwartet uns um 07.30 Uhr. Bald starten die starken Wandernden zum Aufstieg während Kurt sechs Frauen hinauf nach „Le Couvent“ chauffiert. Bei „La Banderette“ treffen wir uns wieder, ruhen aus und besichtigen das liebevoll eingerichtete Museum. Alle spenden einen Obolus, der Eintritt ist gratis. Wir steigen auf nach „La Soliat“ und erreichen den Höhepunkt des Tages, den sagenhaften „creux du van“. Keine Worte werden dem überwältigenden Ausblick und den steil, 500 Meter abfallenden Felsformationen gerecht. 1,2 km breit ist der Ausräumungskessel dem wir entlang wandern bis uns ein anfangs steiler, steiniger Bergweg hinab zur „Ferme Robert“ führt. Nach kleiner Stärkung wandern wir nach „Champ du Moulin“ zum Nachtessen. Per Bahn oder bequem per Auto kehren wir glücklich und zufrieden, voll von nachhaltigen Eindrücken in unsere Unterkunft zurück.

Von einigen Kameradinnen heisst es Abschied nehmen. Der dritte Wandertag führt per Bahn nach „Buttes“ und mit dem Sessellift hinauf nach „Robella“. Ueber saftige Weiden führt ein wunderbarer Wanderweg zur Alpwirtschaft „Les Preisettes“ für eine kurze Einkehr. Bald ist der Aufstieg nach „Les Cernets Dessus“ geschafft. Wir wandern weiter vorbei an grossen Viehherden und über grüne Weiden. Ein nicht erwarteter steiler Abstieg durch die Schlucht „Poëta Raisse“ lässt unsere Herzen höher schlagen. Die Schlucht ist eng und riecht etwas modrig. Links und rechts ragen hohe Felsen empor. Die Schlucht ist tief, Ketten und Metallgeländer bieten Halt. Die hohen Wasserfälle beachten wir kaum, der Fluss führt wegen der Trockenheit kaum Wasser. „Poëta“ kommt aus dem Dialekt und bedeutet hässlich. Diese Bezeichnung hat die Schlucht erhalten, bevor sie durch heute gut erhaltene Brücken, Treppen und Wege 1874 erschlossen worden ist. Im Dorf „Môtiers“ ist kein Restaurant zu finden. War in den Jahren 1762-65 schon keine Einkehr möglich, als Jean-Jacques Rousseau im Dorf gelebt hat? Im Museum wäre vielleicht eine Antwort zu finden. Gleich fährt der Zug ein und einige reisen zurück Richtung Winterthur. Zu Acht geniessen wir den letzten Abend im „Bären“ bei einem guten Nachtessen, abgerundet mit einem Absinthe.

Den letzten Tag beginnen wir gemütlich, wandern in gut 30 Minuten zur „Asphalt-Mine“. Die Führung ist sehr interessant und lehrreich, was uns ein Hungergefühl vermittelt. Im alten Stollen wird im Asphalt Schinken gegart, in der Asche Saucissons – ein besonderes Angebot des Restaurants. Der Verdauungsmarsch führt zurück nach Travers – die Heimreise beginnt.

Eine schöne Kameradschaft mit steter Hilfsbereitschaft haben wir während diesen Tagen erlebt. Das Val-de-Travers liegt nicht gerade um die Ecke. Annemarie und Kurt Tschumper haben viel Zeit und Mühe investiert, uns diese wunderbare Region näher zu bringen. Vielen herzlichen Dank für die unvergesslichen Tage im Jura.

26. August 2018 Ruth Tschudi

2019  Naturfreunde Winterthur